Bereits ist wieder Dezember. Es liegt schon reichlich Schnee und die neue Tourenausrüstung ist abholbereit. Der richtige Moment um sich wieder mal mit den neusten Errungenschaften der Lawinenrettungstechnik zu beschäftigen. In den letzten Jahren hat sich viel getan im bezahlbaren Bereich. Zusätzlich zur Standardausrüstung mit Barrivox, Sonde und Schaufel sind Avalungs und Aribags im Sortiment prominent vertreten. Beides wird mit speziellem Rucksack vertrieben. Das Airbag Prinzip ist vergleichbar mit einem Autoairbag mit dem Unterschied, dass er nicht den Aufprall dämpfen soll, sondern eher das Lawinenofer gut auffindbar an der Oberfläche der abgehenden Lawine halten soll. Bei Avalung geht es darum, mit einem Atmungssystem das Überleben in der Lawine erheblich zu verlängern.
Zwei Rucksäcke kann ich ja nicht tragen und eine Entscheidung ist somit unausweichlich. Dass sich die beiden Systeme im Preis um mindestens 500 Euro unterscheiden ist sekundär, schliesslich geht’s um’s Überleben.. Es gilt also eine preisunabhängige Analyse zu führen.
Gegen den Airbag spricht, dass er recht gross ist und sich sehr schnell aufbläst. Wäre an sich nicht so schlimm, erinnert aber an den Auto Airbag oder an die Notweste in Flugzeugen - beides weckt bei mir unangenehme Gefühle. Dafür ist die Chance da, dass man überlebt, auch wenn man ganz allein unterwegs ist. Der Nachteil vom Avalung ist, dass ich wohl innerhalb von 5 Minuten erfrohren wäre, lange bevor mir die Luft ausgeht. Dafür ist er kompakt und diskret in enen sehr schönen Blackdiamond Rucksack verpackt und errinnert nicht ständig an Lebensgefahr.
Der Nachteil beider Systeme meiner Meinung nach ist, dass man risikofreudiger wird, was schliesslich die Chance von einer Lawine erfasst zu werden nicht kleiner macht. Andererseits wäre die gewissensberuhigende Komponente vielleicht so stark, dass sich besorgte Personen wie ich unterwegs in der Einsamkeit endlich mit relevanten Dingen beschäftigen könnte anstatt pausenlos die Schneeverhältnisse, Hanglage, Wetter, Temperatur und andere Gruppen zu beobachten.
All diese Überlegungen bringen mich zum Schluss, dass ich heute schon eine sehr risikoarme Variante von Bergwintersport praktiziere. Ich meide steile Hänge, viel Neuschnee, instabile Schneeschichten, Nordhänge, Wetterumschlag, spaltenreiche Gletscher, Schneewächten, und so weiter. Angsthase von Natur aus eben. Glücklicherweise bieten die Alpen zahlreiche schöne Gipfel, die meinen strengen Sicherheitsanforderungen genügen. Und für alle Fälle habe ich noch die Standardausrüstung dabei und ein paar Rekko Tags in den Kleidern. Und wenn wirklich mal alles schiefgeht - was sich ja nicht ausschliessen lässt - sterbe ich lieber in einer Lawine als im Strassenverkehr.